Ich sag’s gleich, wie’s ist:
Ich war keine Obst-liebende, Vollkornbrot-kauende Musterschwangere.
Ich war die „Na endlich darf ich schlemmen!“-Fraktion.
Schwanger? Geil! Jetzt kann ich endlich mal so richtig sündigen – ohne schlechtes Gewissen. Schokolade, Eis, Saft, Kuchen … alles, was nicht bei drei in der Gemüseschublade war, wurde gegessen.
Und dann – zack – kam die Diagnose: Schwangerschaftsdiabetes. Ich erinnere mich noch an das Gefühl: so eine Mischung aus Scham, Schock und der leisen Stimme im Kopf, die sagte: „Na, siehst du, das hast du jetzt davon.“
Aber weißt du was? Nein. So einfach ist das nicht.
Es lag nicht nur am Zucker
Klar, mein Zuckerkonsum war nicht ideal. Ich war quasi das wandelnde Gegenargument zur Ernährungspyramide. Aber selbst meine Diabetologin sagte mir:
„Das ist keine Strafe für Süßigkeiten. Das ist ein Hormon-Ding.“
Und das ist der Punkt:
Selbst wenn du dich perfekt ernährst, kann dich diese Diagnose treffen.
Und selbst wenn du zu viel genascht hast – es ist nicht die Ursache.
Denn die Hauptrolle spielt nicht dein Essverhalten, sondern deine Plazenta.
(Und die fragt dich nicht, ob du heute schon genug Gemüse gegessen hast.)
Dein Körper hat einfach andere Pläne
Während der Schwangerschaft produziert dein Körper Hormone, die dafür sorgen, dass dein Baby gut versorgt wird. Diese Hormone blockieren aber auch das Insulin – also das Zeug, das deinen Blutzucker reguliert. Wenn deine Bauchspeicheldrüse dann nicht hinterherkommt, war’s das: Schwangerschaftsdiabetes. Ganz egal, wie viele Möhren du geknabbert oder wie viele Schokoriegel du verdrückt hast.
Das ist Biologie, kein Karma.
Und trotzdem fühlt man sich schuldig
Ich geb’s zu: Ich hab mich am Anfang mies gefühlt.
So nach dem Motto: „Das kommt jetzt davon, dass du dir fast täglich ein Eis gegönnt hast.“ Aber diese Selbstvorwürfe bringen nichts – außer schlechte Laune und noch mehr Stress (was übrigens auch nicht gut für den Blutzucker ist).
Wenn du also gerade mit schlechtem Gewissen da sitzt, hör auf damit.
Du bist keine schlechte Mutter, du bist einfach eine Frau, deren Körper beschlossen hat, ein bisschen Chaos zu veranstalten.
Aus Sünde wurde Struktur
Die Ironie: Gerade ich – die Frau, die bei jedem Buffet dachte „Ich nehm von allem ein bisschen“ – wurde zur diszipliniertesten Person in der Praxis.
Ich führte vorbildlich Protokoll über meine Messwerte, kannte den Zuckergehalt von allem (inklusive Tomatenmark), aß eigentlich überhaupt gar keinen Zucker mehr und Kohlenhydrate auch nur in Maßen – sowieso nur noch komplexe Kehlenhydrate!
Aber das war okay.
Nicht, weil ich plötzlich die perfekte Ernährungspolizei werden wollte, sondern weil ich verstanden hab: Das ist jetzt einfach Teil des Spiels. Ganz ehrlich: Ich habe mich bewusst dazu entschieden, ein Kind zu bekommen. Diese Verantwortung muss ich übernehmen. Ich trage meinen Sohn in mir und will nur das Beste für ihn. Auf den Schokoriegel zu verzichten ist wirklich keine große Anstrengung.
Klar, war ich zum Teil auch genervt von der Situation. Ich will nichts beschönigen. Man muss messen, messen, messen und dann nochmal messen. Das ist natürlich verbunden mit einem Pieks in den Finger. Immer und überall. Ja, ich habe überall gemessen! Blicke waren mir egal. Außerdem musste ich Insulin spritzen – auch immer und überall. Da wurde auch mal das Kleid gelupft. Essen musste man sich am besten mitnehmen, oder im Restaurant zum Teil auf den Salat ausweichen (natürlich ohne Brot!). Auch mein Freund war zum Ende manchmal erschöpft von der Situation und dass es bei uns zu Hause nur noch gesundes Essen gab. Pizza? Fehlanzeige! Mitgefangen, mitgehangen!
Aber rückblickend sage ich: Es war machbar.
Weil es nicht um Verzicht ging, sondern um Verantwortung.
Und das Beste?
Nach der Geburt war der Spuk vorbei.
Mein Blutzucker normal, ich wieder frei – und um eine ziemlich wichtige Erkenntnis reicher.
Schuldgefühle sind Energieverschwendung
Wenn du dich also fragst, ob du selbst schuld bist – hier die ehrliche Antwort:
Nein.
Du hast dich nicht „verzuckert“.
Du hast dich nicht „schwach“ verhalten.
Du bist schwanger. Punkt.
Dein Körper ist ein hormonelles Durcheinander mit eigenem Kopf – und der macht, was er will.
Merke dir also:
Schwangerschaftsdiabetes ist kein Urteil über dich, deine Ernährung oder deinen Charakter. Es ist einfach etwas, das passiert – selbst, wenn du jeden Tag grüne Smoothies trinkst. Oder, na ja, auch wenn du’s nicht getan hast. 😉
Also: Kein schlechtes Gewissen, kein „hätte, wäre, wenn“. Mach einfach das Beste draus – du machst das großartig.
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Kein Fachbuch – sondern ein Begleiter durch diese Zeit.
Hinweis
Ich bin keine Ärztin – nur eine Frau, die gelernt hat, dass Schokolade nicht der Feind ist und dass Schuldgefühle gar nichts lösen.
Wenn du unsicher bist, lass dich medizinisch begleiten. Aber bitte – hör auf, dich selbst zu verurteilen. Dein Körper ist Team Mama, auch wenn er manchmal komische Entscheidungen trifft.


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