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Mein ehrlicher Geburtsbericht: 5 Tage Einleitung bei Schwangerschaftsdiabetes und die Entscheidung zum Kaiserschnitt

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Jede Schwangere kennt dieses aufgeregte Kribbeln, wenn der errechnete Entbindungstermin (ET) näher rückt. Man malt sich aus, wie die Wehen beginnen, wie der Weg ins Krankenhaus aussieht. Auch ich hatte ein klares Bild im Kopf.

Allerdings gab es bei mir eine Vorgabe, die den Geburtsplan definierte: Wegen meines insulinpflichtigen Schwangerschaftsdiabetes wurde eine Einleitung zum ET empfohlen. Der Plan stand also fest. Die Tage vor dem ET habe ich gehofft, dass sich mein kleiner Sohn alleine auf den Weg macht. Aber nichts da… umsonst gehofft. Schon meine Gynäkologin machte mir wenig Hoffnung – ihrer Erfahrung nach, fühle er sich noch zu wohl im warmen Bauch.

Wir fuhren also am Morgen des ET ins Krankenhaus. 8 Uhr sollten wir da sein – mein Freund und ich waren fest überzeugt: „Spätestens heute Abend halten wir unseren Sohn im Arm.“ Ich war so sehr aufgeregt, meine Hormone trugen noch ihr Übriges bei: Schon auf der Autofahrt habe ich die ein oder andere Träne verdrückt.

Nun ja … Es kam auf jeden Fall alles ganz anders als gedacht. Hier ist mein ehrlicher Blick zurück auf fünf Tage des Wartens, der Hoffnung und der großen Entscheidung.

Die lange Warterei: Einleitung ohne Reaktion

Nach den ersten Untersuchungen und einem leicht auffälligen CTG gab es grünes Licht: Heute wird eingeleitet. (bis dahin hatte ich noch die ganz leise Hoffnung, dass die Ärzte sagen: „Unser Kreissaal ist heute so voll, mit ihrem Kind noch alles in Ordnung, kommen sie morgen wieder“)

Gegen 10 Uhr bekam ich die erste Tablette. Und … nichts passierte. Gar nichts. Keine Wehe weit und breit. Es folgten weitere Tabletten, endlose CTGs und viele Gespräche mit Hebammen, die allesamt sehr freundlich, aber irgendwann auch leicht mitleidig lächelten.

So verging ein Tag, dann der zweite, der dritte – und irgendwann waren es fünf Tage Krankenhaus. Da ich nach der Einleitung nicht mehr nach Hause durfte, war ich durchgehend auf Station untergebracht. Man wusste ja nie, wann es endlich losgehen würde.

Anfangs versuchte man es mit oralen Tabletten. Als das keine Wirkung zeigte, stieg man auf eine vaginale Tablette um, die direkt am Muttermund platziert wurde. Trotzdem passierte nichts. Die Chefärztin löste den Schleimpfropf, was kurz Hoffnung gab, aber auch ohne Erfolg blieb. Schließlich kam der Wehentropf zum Einsatz, der sogar auf die höchste Dosis hochgefahren wurde. Als letzte Option erfolgte am vorletzten Tag die manuelle Fruchtblasenöffnung.

Es nützte alles nichts: Ich bekam einfach keine Wehen. Mein Sohn war offenbar der Meinung, dass es im Bauch noch gemütlicher sei.

Erschöpfung und die Entscheidung zum Kaiserschnitt

Mental wurde die Situation von Stunde zu Stunde zermürbender. Die Mischung aus ständiger Hoffnung, die nach jedem CTG und jeder neuen Tablette wieder enttäuscht wurde, zehrte unglaublich an den Nerven. Ich fühlte mich im Krankenhaus gefangen, wartete darauf, dass mein Körper endlich reagierte, und war doch völlig machtlos. Irgendwann war ich einfach am Ende – körperlich durch die ständigen Untersuchungen und die Medikamente, aber vor allem emotional, weil der ursprüngliche Traum von der Geburt immer weiter in die Ferne rückte. Am fünften Tag fiel dann die Entscheidung, die alles veränderte: Das Infektionsrisiko durch die geöffnete Fruchtblase war zu groß – es musste ein Kaiserschnitt gemacht werden.

Wow, wow, wow! Das hatte ich mir wirklich anders vorgestellt. Aber ehrlich gesagt: Ich war am Ende meiner Kräfte, und irgendwann zählt nur noch, dass alles gut ausgeht.

Der Kaiserschnitt

Plötzlich ging alles sehr schnell. Die Entscheidung für den Kaiserschnitt ersetzte die quälende Warterei durch klare Handlung. Ich rief also morgens meinen Freund an: „Du musst jetzt sofort kommen, unser Sohn wird jetzt gleich geholt!“ Kurze Schockstarre am anderen Ende der Leitung. Das haben wir beide wirklich zu Beginn nicht so kommen sehen. Er machte sich direkt auf den Weg. Die Anästhesistin kam und klärte mich über die Spinalanästhesie auf. Ich bin zum Glück nicht so empfindlich was Spritzen und Co. anbelangt, aber das ist schon eine sehr lange Spritze! Dann hieß es erstmal warten. Ich ging zurück auf die Station und wartete darauf abgeholt zu werden. Es war circa 10 Uhr als mein Freund ins Krankenhaus kam. Wir warteten also extrem aufgeregt gemeinsam. Und warteten … und warteten… Bis wir um 17 Uhr geholt wurden. Ja, es kam ein Notfall dazwischen. Da mein Freund absolut kein Blut sehen kann, kam er nicht mit in den OP. Für mich war das ok, ich hatte eine Top-Hebamme an meiner Seite. Und ehrlich: Wer braucht einen Mann im Op, der umkippt? Angekommen im Operationssaal wurde ich einfühlsam empfangen. Alle spürten wie aufgeregt ich war – Überraschung: die Tränen liefen wieder. Die Spinalanästhesie wurde durchgeführt. Man bekommt erst eine kleine Spritze zur Betäubung (tut nicht wirklich weh) und dann die große Spritze. Sie wirkte schnell. Anschließend bekommt man noch einen Blasenkatheter und los gehts. Der Vorhang, der mich davon abhält meinen offenen Bauch zu sehen wird aufgebaut, und ich wurde an viele Kabel angeschlossen.

Ich spürte ein Ziehen, ein Ruckeln und starken Druck – aber keinen Schmerz. Ich hätte jedoch nie gedacht, dass die Ärzte einen solchen Druck ausüben müssen. Die Ärztin lag förmlich auf meinem Bauch. Dann, nach nur wenigen Minuten, hörte ich ihn: den ersten Schrei.

Als sie unseren Sohn über den Vorhang hoben und ihn mir kurz ans Gesicht hielten, war dieser Moment so unglaublich real und überwältigend. Endlich war er da, gesund, nach all den Strapazen. Die OP selbst war in diesem Moment nur noch die technische Brücke zu diesem Glück. Mein Sohn wurde zum Kinderarzt gebracht: Routine Checks und Blutzuckerkontrolle. Bei ihm war alles super!

Doch plötzlich Hektik. Hörte ich da, dass ein Arzt Blut orderte? Was ist los? Panik stieg in mir auf. Habe ich gerade das größte Glück erlebt und ist jetzt alles vorbei? Wenige Minuten später: Entwarnung! Meine Wunde war vernäht und ich wurde mit meinem Sohn in den Aufwachraum geschoben. Später erklärte mir die Ärztin, dass ich ungewöhnlich große Arterien an der Bauchdecke habe und sie kurze Zeit die Blutung nicht stillen konnten. Daher hatte ich auch einen Katheter bekommen, der überprüft werden musste, ob sich Flüssigkeit oder Blut sammelt. Zum Glück war das nicht der Fall.

Der Schalter im Körper: Ende des Schwangerschaftsdiabetes

Die Geschichte hat eine interessante medizinische Fußnote: Schon während der langen Krankenhauszeit fiel mein Blutzucker immer wieder ab. Ich musste Apfelsaft trinken, damit er stabil blieb – obwohl ich natürlich weiterhin auf Zucker und Kohlenhydrate verzichtete.

Mein Körper hatte offenbar schon verstanden: „Okay, die Schwangerschaft ist fast vorbei. Ich arbeite jetzt wieder nur für mich.“

Und tatsächlich: Direkt nach der Geburt war es, als wäre nie etwas gewesen. Der Blutzucker stabil, die Werte im Normalbereich – mein Körper hatte den Schalter einfach wieder umgelegt. Ganz von selbst. Die Schwangerschaftsdiabetes war mit der Geburt vorüber.

Die Zeit mit Schwangerschaftsdiabetes kann unglaublich herausfordernd sein – körperlich und emotional. Genau aus diesem Grund habe ich mein Buch „Süß genug für zwei“ geschrieben: mit ehrlichen Erfahrungen, praktischen Tipps und allem, was mir wirklich geholfen hat.
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Ankunft: Alles vergessen

Als ich unseren Sohn endlich im Arm hielt, waren all die Strapazen – die Tabletten, das Warten, die Tränen – plötzlich Nebensache. Alles war vergessen.

Manchmal weiß der Körper eben genau, wann es Zeit ist, loszulassen – auch wenn der Kopf noch versucht, die Kontrolle zu behalten. Und dieser Moment, in dem ich meinen Sohn nach diesen langen, ungewissen Tagen endlich sehen und halten durfte, war jeden einzelnen Moment wert.

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